Alles für alle – und zwar umsonst!

Die Rede von “Unsere Villa” beim sozialistischen Massenpicnic  im Nordstadtpark:

„Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen »Dies gehört mir« und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wieviel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört«.” (Rousseau)

Immer wieder wurde uns – übrigens auch vom Unipräsidium auf der letzten Senatssitzung – die Frage gestellt: Warum habt ihr denn die Uni nicht „vorher gefragt“? Vielleicht hätte sie euch die Villa ja zur Nutzung gegeben. Dazu kann ich zwei Dinge sagen:

Zum einen: Nur zu! Wir sind sehr offen dafür, dass die Uni uns unsere Villa zurückgibt, sie wissen doch ohnehin nicht so genau, was sie damit tun sollen! Jetzt rein aus Trotz zu sagen: “Nee, nee, die Villa, die bekommt ihr nicht, JETZT nicht mehr!” – das wäre den Repräsentanten einer Universität doch wirklich nicht angemessen, denke ich.
Durch eine solche Rückgabe würden wir wirklich Vertrauen in die Universität gewinnen, und der Mangel an Vertrauen war ja wohl auch ein Grund nicht „vorher zu fragen“. Übrigens: Auch die Rücknahme der Strafanträge würde dieses Vertrauen erwecken können und würde auch ein bisschen Größe demonstrieren.

Aber abgesehen davon, dass ja wohl niemand ernsthaft glaubt, dass Finkeldey und Co gesagt hätten: „Oh, na klar, ihr bekommt die Villa, finden wir gut!“ gibt es ja auch noch andere, viel wichtigere Gründe, Raum zu besetzen, bevor oder anstatt darüber zu verhandeln. Denn die Räume, liebe Leute: gehören uns! Und im obigen Zitat erklärt das Rousseau ja ganz gut. Continue reading “Alles für alle – und zwar umsonst!”

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Sozialistisches Massen-Picnic

22. Juli, ab 15 Uhr, Nordstadtpark

“Unsere Villa” ist mit Infostand, Redebeitrag und Vokü dabei 🙂 Wenn ihr mithelfen wollt: Wir treffen uns um 16.30 Uhr beim “Unsere Villa”-Banner!

Und hier die offizielle Ankündigung:

Hast Du auch keine Lust, dein Leben mit Lohnarbeit zu vergeuden? Bist Du es satt, dich von deiner ChefIn oder dem Jobcenter rumkommandieren zu lassen? Fragst auch Du dich manchmal, wie endlich alles anders wird? Dann komm zum sozialistischen Massenpicnic!

Gegen die massenhafte Vereinzelung – auf der Arbeit oder im Haushalt, beim Jobcenter oder in der Ausländerbehörde – organisieren wir ein Picnic für die Massen.

Die Masse, das ist das Schreckgespenst der bürgerlichen Gesellschaft, die Angst der Herrschenden, in der sich die Erfahrung des 19. Jahrhunderts mit der nicht abreißenden Kette von Rebellionen und Barrikadenkämpfen spiegelt. Die Verachtung der Masse war die Verachtung gegenüber den Arbeiter*innen und ihrem neuen Selbstbewusstsein in sozialistischen, anarchistischen oder kommunistischen Organisationen. Es war und ist letztlich die Angst davor, die eigenen Privilegien zu verlieren. Um dies zu verhindern, waren liberale und konservative Kräfte stets bemüht – allzu häufig mit Erfolg – die Massen mit überkommenen Sitten, Nationalismus und Sozialchauvinismus, schließlich mit den falschen Versprechungen von Chancengleichheit und freier Entfaltung einzulullen, damit sie sich in die bestehende Ordnung fügen.

Gegen den Wahnsinn der Verhältnisse organisieren wir den Größenwahn des Massenpicnics. Damit greifen wir auf eine Tradition der sozialrevolutionären Arbeiter*innenbewegung zurück: Die Politisierung der Alltagskultur durch die Verbindung von Freizeit, politischer Agitation und Organisation – um der Ohnmacht der Einzelnen die Solidarität und Stärke der Vielen entgegenzusetzen.

Hieran wollen wir mit dem sozialistischen Massenpicnic – libertär und progressiv – anknüpfen und laden alle herzlich ein, sich daran zu beteiligen oder einfach zu politischen Reden und Musik zu entspannen.

Bringt Essen und Trinken, Fahnen und Sonnenschirme, Freundinnen und Freunde mit. Für eure Redebeiträge, Infotische etc. schreibt an info@4hour-league.org.

Vokü im Nordstadtpark

Unsere Villa lädt ein: Jeden Mittwoch findet unsere Vokü im Nordstadtpark statt. Es werden  schmackhafte, vegane & improvisierte Gerichte aus geretteten Lebensmitteln zaubern.

Ab 18 Uhr wird gemeinsam geschnippelt, gekocht & getratscht.
Kommt & sagt es weiter .

Und bitte bringt euch Teller, Messer & Gabel mit. Unsere Ausstattung ist geschrumpftt: Wenn ihr also zufällig noch Küchenkram (Schneidemesserchen/-brettchen, große Schösseln, Töpfe, Pfannen, allerlei Küchenhelfer ) in euren Küchen liegen habt, immer her damit !

Es wird noch Lebensmittel geben , die mitgenommen werden koennen. Also kauft (noch) nicht ein & bringt Tupperdosen mit.

Erklärung zum Konflikt um die Nutzung der Villa Rühl

Die Fachgruppe Politikwissenschaft hat mit einigen anderen Gruppen zusammen eine Stellungnahme zum Konflikt abgegeben, in der u.a. auch die Rücknahme der Strafanzeigen gefordert wird.

Hier könnt ihr die Erklärung lesen.

Zitat: ” Mit diesem Selbstverständnis ist es unvereinbar, dass eine Pressekonferenz in Universitätsräumen veranstaltet wird, die Studierende sowie andere Angehörige der Universität mit polizeilichen Mitteln ausschließt. Daher fordern wir die Universitätsleitung auf, ihre Haltung in diesen Punkten zu überdenken, und durch die Rücknahme der Strafanträge zudem dafür Sorge zu tragen, dass das Verhalten der Studierenden keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht.”

Institut für urbane Entwicklung missbilligt Verhalten der Hochschulleitung

Eine Gruppe von Menschen aus der Zivilgesellschaft unserer Stadt, u.a. auch Studierende der Universität Kassel, hat am Pfingstsamstag die Villa Rühl besetzt, ein Gelände mit zwei Villen, Gewerbeanbau und großem Garten, um vor allem auf zwei Defizite aufmerksam zu machen:

  1. Schon länger ungenutzte Freiflächen und Gebäude, die der Universität vom Land Hessen überlassen wurden, sind dem Verfall preisgegeben. Nachnutzungskonzepte werden derzeit entwickelt, haben aber bislang noch keine konkret erkennbare Nutzungsperspektive formuliert.
  2. In Kassel wurden der freien Kulturszene in den letzten Jahren immer wieder Räume genommen. Als Beispiele seien hier nur „Salzmann“, „das Haus“ und die Nordseite des Kulturbahnhofs genannt.

Gleichzeitig sind die Spielräume auf dem Kasseler Wohnungsmarkt aufgrund des Bevölkerungszuwachses inzwischen sehr eingeschränkt; auch in Kassel sind Wohnungen inzwischen erheblich teurer geworden als noch vor wenigen Jahren.

In diesem Themenfeld bewegen sich die Anliegen der Besetzer*innen. Statt diese Anliegen aufzugreifen und Expert*innen der Universität bei einer Lösung des Konflikts mit einzubeziehen wie z. B. aus den Bereichen Soziale Arbeit, Partizipation, Stadtentwicklung oder Politikwissenschaften, hat die Universitätsleitung ihr Hausrecht konsequent durchgesetzt.

Durch Anzeigeerstattung und Räumung durch die Polizei hat die Universitätsleitung eine Entwicklung zu verantworten, die Personen kriminalisiert, darunter auch Studierende. Unverhältnismäßig ist der Einsatz der Polizei auf dem unmittelbaren Campusgelände, wo eine nicht öffentliche Pressekonferenz vor vier handverlesenen Journalist*innen abgehalten wurde. In diesem Zusammenhang wurden Beschäftigte, Lehrende und Studierende von der hochgerüsteten Polizei mit schusssicheren Westen, Helmen und Knüppeln davon abgehalten, an ihren Arbeitsplatz bzw. in ihre Lehrveranstaltungen zu gehen. Studierenden wurde Gewalt angedroht, falls sie versuchen sollten, ins Gebäude zu kommen, und zivile Kriminalbeamte haben sich Zugang zu Diensträumen verschafft, um das Geschehen zu filmen.

Der unmittelbare Hausherr, der Dekan des Fachbereichs ASL, wurde nicht vorinformiert, dass eine derartige Pressekonferenz im Hause stattfinden soll. Die Vorgänge diskreditieren den Fachbereich, der partizipative Planung als eines seiner Grundprinzipien und Lehrinhalte bezeichnet.

Das Verhalten der Hochschulleitung missbilligen wir. Eine Hochschulleitung muss wissen, was es heißt, die Polizei ins Haus zu rufen und wie diese dann gegen die eigenen Studierenden vorgeht.

Der Ruf nach der Polizei sollte nur das allerletzte Mittel einer Universität sein und nur erfolgen, wenn Personen in Gefahr sind. Davor sollten alle Möglichkeiten zum Gespräch genutzt und nach einem Kompromiss mit den eigenen Studierenden gesucht werden.

Daher fordern wir die Universitätsleitung auf, durch die Rücknahme der Strafanträge dafür Sorge zu tragen, dass das Verhalten der Besetzer*innen keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht und junge Menschen nicht kriminalisiert werden. Weiterhin fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, mit Akteuren aus der Stadtgesellschaft und insbesondere dem Stadtteil das Gespräch darüber zu suchen, wie künftig ein konstruktives Miteinander zwischen Universität und Stadtteil aussehen und wie sich das in der Nutzung von Räumen der Universität und darüber hinaus niederschlagen sollte.

Unterzeichnende:

Mittelbau Institut für urbane Entwicklung
Fachschaft FB 06 ASL

Quelle: https://www.uni-kassel.de/fb06/forschung/institute-und-forschungsgruppen/institut-fuer-urbane-entwicklung/nachrichten.html

Stellungnahme von Mitgliedern der Fachschaft ASL zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42

Mitglieder der fachschaft asl nehmen Stellung zu den Geschehnissen rund um die Besetzung der Mönchebergstraße 40-42.

“Mit der Pressekonferenz am 19.06. wurde das unkooperative und undemokratische Verhalten des Präsidiums der Universität Kassel direkt in den Räumen unseres Fachbereiches spürbar. Wir sprechen uns für studentische Freiräume an der Universität Kassel und eine offene Diskussionskultur zwischen allen Akteur*innen aus.”

Stellungnahme zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42

Kulturelle und politische Freiräume sind aus unserer Sicht essentiell für eine kritische Zivilgesellschaft. Sie dienen als Raum für offene Diskussionen und Veranstaltungen aller Art und ermöglichen die Selbstverwirklichung von Einzelnen.

Dafür müssen materielle und institutionelle Hürden abgebaut werden. Diesem Ziel hatte sich die Initiative “Unsere Villa” verschrieben. Ihre Besetzung der Villa Rühl hätte zu einem neuen soziokulturellen Zentrum in Kassel führen können. An einer Schnittstelle zwischen Stadt und Universität liegend, hätte sie insbesondere als Ort des Austausches zwischen der Hochschule und den Stadtbewohner*innen dienen können. Continue reading “Stellungnahme von Mitgliedern der Fachschaft ASL zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42”

Glosse zur Wasserbombenschlacht auf dem Königsplatz

Gefährliche Wasserbombenschlacht auf dem Königsplatz durch die entschlossene Kassler Polizei verhindert!

Etwa 20 entschlossene Kämpfer*innen von “Unsere Villa” stürmten am Donnerstag, 22. Juni 2017, den Königsplatz. Sie waren mit mindestens 120 prall gefüllten Wasserbomben bewaffnet, die sie – man stelle sich das mal vor! – für eine lustige Wasserbombenschlacht verwenden wollten.

Zum Glück schritten sofort die Polizei und das Ordnungsamt gegen diesen brutalen Einbruch von Albernheit und Spaß in die Innenstadt ein und stellte die öffentliche Ordnung wieder her. Sie konnten die Aggressor*innen daran hindern, sich gegenseitig, aber auch aufrechte Kassler*innen und/ oder Documenta-Gäste nass zu machen – nicht auszudenken, welche Katastrophe – und das bei dem Wetter, wo doch ohnehin alle schon nass vom Schweiß sind!

Von den Kämpfer*innen wurden teilweise die Personalien aufgenommen, es wurde bei einer Person eine Leibesvisitation durchgeführt und natürlich wurden die Wasserbomben, die aus wassergefüllten Luftballons hergestellt waren, fachgerecht mit einem scharfen Gegenstand zerstört. Um dies vorschriftsgemäß durchführen zu können, musste erst ein Wasserbombendurchpieksspezialgerät organisiert werden, die festgehaltenen Kämpfer*innen weigerten sich, mit einem hierfür von den Beamten benötigten “spitzen Gegenstand” auszuhelfen.

“Aber so etwas führen wird doch nicht mit uns”, sagte die bis an die Zähne mit Glitzer überstreute Kämpferin Merve Koyutürk mit einem verschlagenen Grinsen, “das dürfen wir doch gar nicht.”

Der mitgeführte Einkaufswagen, in dem die Waffen transportiert worden waren, wurde nach anfänglichen Bedenken doch nicht beschlagnahmt und großzügig ließ die Polizei die Kämpfer*innen nach ca. einer halben Stunde wieder gehen. Aus sicherer Quelle und durch das Wasser auf dieser Tastatur eindrucksvoll verifiziert, übersahen die Beamt*innen dabei jedoch etwa 50 Wasserbomben, die bedauerlicherweise nach diesem Vorfall noch zum Spielen verwendet werden konnten.

Unsere Villa sagt dazu: Die Waffen der Kritik können die Kritik der Waffen nicht ersetzen!

Solidarität vom Mitgliederladen Schmackes

Mit Entsetzen mussten wir vernehmen, das „Unsere Villa” am Montagmorgen durch die Polizei geräumt wurde.

Der Präsident der Universität sieht sich nicht als Ansprechpartner für die Belange der Besetzer*innen, das sehen wir anders. Seit Mitte der 1970er Jahre ist die Universität der zentrale städtebauliche Akteur in der Nordstadt, und ist somit verantwortlich für Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse. In den 1970er Jahre wurde das Gottschalk-Gelände und das von Kohlen-Koch den Anwohner*innen als Nordstadtpark von der Universität, der Stadt und dem Land als Ausgleich versprochen. Jetzt findet hier die Erweiterung des Uni-Campus statt, dies führt zu weiteren Verdrängungs- und Aufwertungsprozessen. Die nicht-kommerziellen Kulturräume, wie das Karoshi (Gießbergstraße) und das HxxS (Mombachstraße) sind diesen schon den gegenwärtigen Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse zum Opfer gefallen.

Zur Durchsetzung dieser Pläne wurde z.B. 1997 der Bauwagenplatz K18 auf dem Uni-Gelände mit brutaler Polizeigewalt geräumt. Der jetzige Uni-Präsident Finkeldey hat sich mit der Räumung der Mönchebergstraße 42 in diese Tradition gestellt.

Der Umgang mit den Nutzer*innen des Lucius-Burckhardt-Platzes vor dem Café DesAsta auf dem Uni-Campus und dessen brutale Zerstörung zeigt den Umgang der Hochschule mit angeeigneten Freiräumen. Die neu geschaffenen Freiräume sollen nicht von Studierenden und Anwohner*innen angeeignet werden und zum Verweilen genutzt werden. Die Räumung der Mönchebergstraße 42 steht in der Kontinuität der Zerstörung des Lucius-Burckhardt-Platzes und zeigt was die Anwohner*innen in der Nordstadt für die Universität sind: unerwünscht und lästig.

Wir als Kollektiv begrüßen das Entstehen von selbstverwalteten Räumen in der Mönchebergstraße 42 und anderswo!

Wir fordern die Universität Kassel auf, die Anzeigen gegen Besetzer*innen zurückzunehmen und mit den Besetzer*innen und Unterstützer*innen über eine Nutzung der Räumlichkeiten für ein „Soziales Zentrum” in der Mönchebergstraße 42 zu verhandeln.

Das Kollektiv vom Mitgliederladen Schmackes solidarisiert sich mit den Besetzer*innen und Unterstützer*innen von „Unsere Villa”.

Das Kollektiv vom Mitgliederladen Schmackes