Grundsatzerklärung

Die Villa Rühl ist besetzt – Für ein soziales Zentrum in Kassel

In den letzten Jahren mussten wir dabei zusehen, wie die wenigen selbstorganisierten Räume in Kassel einer nach dem anderen verschwanden: das autonome Zentrum, das Karoshi, die Kulturfabrik Salzmann und das HAUS sind nur einige Beispiele. Solche Freiräume sind mehr als nur der Treffpunkt einer bestimmten Szene. Soziale Zentren haben vielmehr das Potenzial, dass sich in ihnen solidarische Formen von Gesellschaft entwickeln. Sie können Raum bieten für die Arbeit von Initiativen und Gruppen, die politisch und/oder kulturell aktiv sind. Darüber hinaus sind sie unerlässlich, wenn es darum geht, uns gegenseitig in unseren Kämpfen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu unterstützen. Und vor allem sind sie eins: Unser gutes Recht!

Die Häuser denen, die sie nutzen!

Die Villa Rühl in der Mönchebergstrasse wurde am Samstag, 3. Juni, besetzt, um wieder einen solchen Freiraum in Kassel aufzubauen. Es ist ein Skandal, dass unzählige Häuser und Flächen in einer Stadt leer stehen, obwohl dringend Räume für unkommerzielle und selbstorganisierte Projekte gebraucht werden. Wir sollten uns die Räume nehmen, die wir brauchen, denn für uns sind sie da!

Von der voranschreitenden Modernisierung der Stadt profitieren nur sehr wenige Menschen, weil nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung im Vordergrund stehen, sondern Gewinninteressen und Konkurrenzlogik. Das führt dazu, dass Menschen sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können, verdrängt werden und/oder am Ende des Monats noch weniger Geld für ihre Grundbedüfnisse zur Verfügung haben. Auch in Kassel gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen. Während die einen als schickes Aushängeschild genutzt werden, werden andere bewusst als Problemviertel ausgegrenzt.

Die Universität und ihr Umfeld breiten sich in der Nordstadt und im Wesertor aus und verdrängen ihre ursprünglichen Bewohner*innen. Solidarisch genutzte Räume wie der Lucius-Burckhardt-Platz werden zubetoniert; Wohngebäude werden abgerissen und die freien Flächen mit profitablen Appartments für Studierende bebaut. Die Besetzung und Umwandlung der Villa Rühl in “Unsere Villa” stellt sich diesem Trend entgegen und bietet einen Freiraum für alle. Um diesen nachhaltig umzusetzen, sind wir bereit mit der Uni als Eigentümerin des Gebäudes zu verhandeln.

Selbstorganisierte und solidarische Strukturen

Die Villa Rühl ist jetzt “Unsere Villa” und kann ein Ort der Begegnung für die Kasseler Stadtteile Nordstadt und Wesertor sein, der nicht der Willkür von Eigentümer*innen unterworfen ist und nicht von der Gnade der Stadt abhängig ist. Sie bietet uns Platz und unzählige Möglichkeiten der Gestaltung, in denen wir zusammenkommen können. Sie kann Raum für all unsere Ideen, unsere gegenseitige Unterstützung und Wissensweitergabe sein, damit wir gemeinsam und solidarisch den alltäglichen Erzählungen von Konkurrenz und Verwertbarkeit etwas Großartiges entgegensetzen können. Was das sein wird, bestimmen die Menschen, die sich hier aufhalten. Nur so können wir voneinander und unzähligen Projekten und Städten weltweit lernen, in denen Menschen tagtäglich ihr Leben und ihre Ideen miteinander teilen.

Niemand wird hier mit der Vermietung der Räumen oder mit kommerziellen Angeboten Profit machen. Alle Menschen haben einen gleichberechtigten Zugang, ohne Konsumzwang oder Mitgliedsbeiträge. Dieser Raum gehört uns allen, wir wollen ihn gemeinsam gestalten. Kommt vorbei und bringt eure Ideen und Bedürfnisse ein!

Erste Ideen, die wir umsetzen könnten, wären:

  • eine Küche für Alle, in der jede*r Essen bekommt und nur das gibt, was er oder sie gerade kann
  • ein Umsonstladen, in dem kein Geld benötigt wird, um Sachen zu geben oder zu nehmen.
  • nicht-kommerzielle Kunst und Kultur


  • Wir verstehen uns als ein ständig wachsendes Kollektiv und stellen einen offenen Raum für die Umsetzung von Kultur, Politik und sozialen Belangen bereit. Wir arbeiten selbstverwaltet und agieren selbstverantwortlich in freiheitlicher Umgebung und im Interesse aller Beteiligten. Wir planen eine langfristige und unkommerzielle Alternative im alltäglichen Leben.

    Alle sind zu diesem emanzipatorischen Projekt eingeladen, um gewaltfrei und respektvoll einen neuen sozialen Raum zu erschaffen. Dabei gibt es keinen Grund, zwischen Menschen zu unterscheiden und andere zu diskriminieren. Das soziale Zentrum ist kein Ort mit Verfallsdatum – solange es von Personen bespielt wird, bleibt es bestehen! Wir leben ein emanzipatorisches Projekt, das solidarisch, selbstorganisiert und konsensorientiert handelt. Wir formen und reaktivieren einen vergessenen Ort und bieten eine Chance für einen gesellschaftsübergreifenden Austausch. Wir verstehen uns als Teil einer sozialen Bewegung und anderer sozialer Kämpfe. Wir wollen einen Ort schaffen, den es so in Kassel noch nicht gibt.