Erklärung zum Konflikt um die Nutzung der Villa Rühl

Die Fachgruppe Politikwissenschaft hat mit einigen anderen Gruppen zusammen eine Stellungnahme zum Konflikt abgegeben, in der u.a. auch die Rücknahme der Strafanzeigen gefordert wird.

Hier könnt ihr die Erklärung lesen.

Zitat: ” Mit diesem Selbstverständnis ist es unvereinbar, dass eine Pressekonferenz in Universitätsräumen veranstaltet wird, die Studierende sowie andere Angehörige der Universität mit polizeilichen Mitteln ausschließt. Daher fordern wir die Universitätsleitung auf, ihre Haltung in diesen Punkten zu überdenken, und durch die Rücknahme der Strafanträge zudem dafür Sorge zu tragen, dass das Verhalten der Studierenden keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht.”

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Institut für urbane Entwicklung missbilligt Verhalten der Hochschulleitung

Eine Gruppe von Menschen aus der Zivilgesellschaft unserer Stadt, u.a. auch Studierende der Universität Kassel, hat am Pfingstsamstag die Villa Rühl besetzt, ein Gelände mit zwei Villen, Gewerbeanbau und großem Garten, um vor allem auf zwei Defizite aufmerksam zu machen:

  1. Schon länger ungenutzte Freiflächen und Gebäude, die der Universität vom Land Hessen überlassen wurden, sind dem Verfall preisgegeben. Nachnutzungskonzepte werden derzeit entwickelt, haben aber bislang noch keine konkret erkennbare Nutzungsperspektive formuliert.
  2. In Kassel wurden der freien Kulturszene in den letzten Jahren immer wieder Räume genommen. Als Beispiele seien hier nur „Salzmann“, „das Haus“ und die Nordseite des Kulturbahnhofs genannt.

Gleichzeitig sind die Spielräume auf dem Kasseler Wohnungsmarkt aufgrund des Bevölkerungszuwachses inzwischen sehr eingeschränkt; auch in Kassel sind Wohnungen inzwischen erheblich teurer geworden als noch vor wenigen Jahren.

In diesem Themenfeld bewegen sich die Anliegen der Besetzer*innen. Statt diese Anliegen aufzugreifen und Expert*innen der Universität bei einer Lösung des Konflikts mit einzubeziehen wie z. B. aus den Bereichen Soziale Arbeit, Partizipation, Stadtentwicklung oder Politikwissenschaften, hat die Universitätsleitung ihr Hausrecht konsequent durchgesetzt.

Durch Anzeigeerstattung und Räumung durch die Polizei hat die Universitätsleitung eine Entwicklung zu verantworten, die Personen kriminalisiert, darunter auch Studierende. Unverhältnismäßig ist der Einsatz der Polizei auf dem unmittelbaren Campusgelände, wo eine nicht öffentliche Pressekonferenz vor vier handverlesenen Journalist*innen abgehalten wurde. In diesem Zusammenhang wurden Beschäftigte, Lehrende und Studierende von der hochgerüsteten Polizei mit schusssicheren Westen, Helmen und Knüppeln davon abgehalten, an ihren Arbeitsplatz bzw. in ihre Lehrveranstaltungen zu gehen. Studierenden wurde Gewalt angedroht, falls sie versuchen sollten, ins Gebäude zu kommen, und zivile Kriminalbeamte haben sich Zugang zu Diensträumen verschafft, um das Geschehen zu filmen.

Der unmittelbare Hausherr, der Dekan des Fachbereichs ASL, wurde nicht vorinformiert, dass eine derartige Pressekonferenz im Hause stattfinden soll. Die Vorgänge diskreditieren den Fachbereich, der partizipative Planung als eines seiner Grundprinzipien und Lehrinhalte bezeichnet.

Das Verhalten der Hochschulleitung missbilligen wir. Eine Hochschulleitung muss wissen, was es heißt, die Polizei ins Haus zu rufen und wie diese dann gegen die eigenen Studierenden vorgeht.

Der Ruf nach der Polizei sollte nur das allerletzte Mittel einer Universität sein und nur erfolgen, wenn Personen in Gefahr sind. Davor sollten alle Möglichkeiten zum Gespräch genutzt und nach einem Kompromiss mit den eigenen Studierenden gesucht werden.

Daher fordern wir die Universitätsleitung auf, durch die Rücknahme der Strafanträge dafür Sorge zu tragen, dass das Verhalten der Besetzer*innen keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht und junge Menschen nicht kriminalisiert werden. Weiterhin fordern wir die Universitätsleitung dazu auf, mit Akteuren aus der Stadtgesellschaft und insbesondere dem Stadtteil das Gespräch darüber zu suchen, wie künftig ein konstruktives Miteinander zwischen Universität und Stadtteil aussehen und wie sich das in der Nutzung von Räumen der Universität und darüber hinaus niederschlagen sollte.

Unterzeichnende:

Mittelbau Institut für urbane Entwicklung
Fachschaft FB 06 ASL

Quelle: https://www.uni-kassel.de/fb06/forschung/institute-und-forschungsgruppen/institut-fuer-urbane-entwicklung/nachrichten.html

Stellungnahme von Mitgliedern der Fachschaft ASL zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42

Mitglieder der fachschaft asl nehmen Stellung zu den Geschehnissen rund um die Besetzung der Mönchebergstraße 40-42.

“Mit der Pressekonferenz am 19.06. wurde das unkooperative und undemokratische Verhalten des Präsidiums der Universität Kassel direkt in den Räumen unseres Fachbereiches spürbar. Wir sprechen uns für studentische Freiräume an der Universität Kassel und eine offene Diskussionskultur zwischen allen Akteur*innen aus.”

Stellungnahme zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42

Kulturelle und politische Freiräume sind aus unserer Sicht essentiell für eine kritische Zivilgesellschaft. Sie dienen als Raum für offene Diskussionen und Veranstaltungen aller Art und ermöglichen die Selbstverwirklichung von Einzelnen.

Dafür müssen materielle und institutionelle Hürden abgebaut werden. Diesem Ziel hatte sich die Initiative “Unsere Villa” verschrieben. Ihre Besetzung der Villa Rühl hätte zu einem neuen soziokulturellen Zentrum in Kassel führen können. An einer Schnittstelle zwischen Stadt und Universität liegend, hätte sie insbesondere als Ort des Austausches zwischen der Hochschule und den Stadtbewohner*innen dienen können. Continue reading “Stellungnahme von Mitgliedern der Fachschaft ASL zur Räumung der Mönchebergstraße 40-42”

Solidarität vom Mitgliederladen Schmackes

Mit Entsetzen mussten wir vernehmen, das „Unsere Villa” am Montagmorgen durch die Polizei geräumt wurde.

Der Präsident der Universität sieht sich nicht als Ansprechpartner für die Belange der Besetzer*innen, das sehen wir anders. Seit Mitte der 1970er Jahre ist die Universität der zentrale städtebauliche Akteur in der Nordstadt, und ist somit verantwortlich für Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse. In den 1970er Jahre wurde das Gottschalk-Gelände und das von Kohlen-Koch den Anwohner*innen als Nordstadtpark von der Universität, der Stadt und dem Land als Ausgleich versprochen. Jetzt findet hier die Erweiterung des Uni-Campus statt, dies führt zu weiteren Verdrängungs- und Aufwertungsprozessen. Die nicht-kommerziellen Kulturräume, wie das Karoshi (Gießbergstraße) und das HxxS (Mombachstraße) sind diesen schon den gegenwärtigen Verdrängungs- und Aufwertungsprozesse zum Opfer gefallen.

Zur Durchsetzung dieser Pläne wurde z.B. 1997 der Bauwagenplatz K18 auf dem Uni-Gelände mit brutaler Polizeigewalt geräumt. Der jetzige Uni-Präsident Finkeldey hat sich mit der Räumung der Mönchebergstraße 42 in diese Tradition gestellt.

Der Umgang mit den Nutzer*innen des Lucius-Burckhardt-Platzes vor dem Café DesAsta auf dem Uni-Campus und dessen brutale Zerstörung zeigt den Umgang der Hochschule mit angeeigneten Freiräumen. Die neu geschaffenen Freiräume sollen nicht von Studierenden und Anwohner*innen angeeignet werden und zum Verweilen genutzt werden. Die Räumung der Mönchebergstraße 42 steht in der Kontinuität der Zerstörung des Lucius-Burckhardt-Platzes und zeigt was die Anwohner*innen in der Nordstadt für die Universität sind: unerwünscht und lästig.

Wir als Kollektiv begrüßen das Entstehen von selbstverwalteten Räumen in der Mönchebergstraße 42 und anderswo!

Wir fordern die Universität Kassel auf, die Anzeigen gegen Besetzer*innen zurückzunehmen und mit den Besetzer*innen und Unterstützer*innen über eine Nutzung der Räumlichkeiten für ein „Soziales Zentrum” in der Mönchebergstraße 42 zu verhandeln.

Das Kollektiv vom Mitgliederladen Schmackes solidarisiert sich mit den Besetzer*innen und Unterstützer*innen von „Unsere Villa”.

Das Kollektiv vom Mitgliederladen Schmackes

Pressemitteilung des GEW-Regionalverbands Hochschule und Forschung Nordhessen zur Räumung

Der GEW Regionalverband Hochschule und Forschung Nordhessen spricht sich gegen die erfolgte Räumung des besetzen Hauses in der Mönchebergstr. 42 aus. Der Regionalverband appelliert an die Hochschulleitung der Universität Kassel, ihre Strafanzeige zurückzuziehen und mit den Aktivist_innen für ein soziales Zentrum in Verhandlung zu treten.

Die Liegenschaft in der Mönchebergstr. 42 ist am frühen Montagmorgen unter massivem Polizeieinsatz geräumt worden. Eine von der Universitätsleitung anberaumte Pressekonferenz fand am Montagvormittag unter Ausschluss von Hochschulangehörigen und Öffentlichkeit und vehementer Abriegelung der Polizei statt. Rund 80 Personen wurden an der Teilnahme der Pressekonferenz gehindert. Auch einem Seminar des Fachbereichs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung wurde der Eintritt ins eigene Fachbereichsgebäude verwehrt. Als Gewerkschafter_innen lehnen wir einen solchen Ausschluss von Universitätsangehörigen und interessierter Öffentlichkeit, der den Ansprüchen von Transparenz und demokratischer Mitbestimmung widerspricht, entschieden ab. Dass die Universitätsleitung die Exklusivität der Pressekonferenz mit einer aus unserer Sicht völlig unangemessenen Polizeipräsenz durchsetzen ließ, hat uns als Angehörige der Universität verwundert und schockiert. Einige Gewerkschafter_innen unterstrichen ihre Ablehnung der Räumung und des weiteren Vorgehens, indem sie sich Zugang zum Gebäude verschafften und mit dem sozialen Zentrum solidarisierten. Continue reading “Pressemitteilung des GEW-Regionalverbands Hochschule und Forschung Nordhessen zur Räumung”

Soli-Grüße aus Marburg

Liebe Menschen,
damit Marburg auch weiß, was in Kassel schief läuft, hängt dieses Banner an der Lahn. Veröffentlicht es gerne auf eurer Seite, bei Twitter etc. wenn ihr wollt.
Solidarische Grüße und viel Erfolg bei den nächsten Aktionen!
 

Pressemitteilung zur Räumung von “Die Linke”

Kultureller sozialer Freiraum bedroht

Seit heute morgen, fünf Uhr hat die Polizei vor der Villa in der Mönchebergstraße zwanzig Kleintransporter zusammengezogen. Der Versuch einer Räumung des Gebäudes hat begonnen.

Die Kasseler Linke protestiert gegen die Räumung des Projekts “Unsere Villa”. Wie die Veranstaltenden sehen wir einen Ort für selbstbestimmte Wohn-, kultur- Jugend- und Sozialprojekte und die Vernetzung bestehender Angebote in Kassel dringend benötigt. Das Projekt “Unsere Villa” bietet dafür ein Angebot, jenseits von Kommerz- und Verwetungsinteressen.

“Das Projekt “Unsere Villa” bietet die Möglichkeit, sich ohne Eintrittspreise, Werbung und Konsumorientierung miteinander auszutauschen, Musik zu machen oder zu hören, politisch zu dikutieren oder einfach zu treffen. Diese Chance sollten die Unileitung und Stadt Kassel nach der Schließung diverser unabhängiger Kultureinrichtungen (Kulturfabrik Salzmann, HAUS, Bahnhof Nordflügel etc.) nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen”, so Simon Aulepp, Stadtverordneter der Kasseler Linken.

Räumung beenden!

Die Kasseler Linke fordert die Verantwortlichen des Landes Hessen und der Stadt Kassel auf, den Belagerungszustand durch die Räumung des Gebäudes zu beenden und mit den AktivistInnen in einen konstruktiven Dialog über eine zukünftige Nutzung der Räumlichkeiten einzutreten.

Solidarität mit den Besetzer*Innen von Unsere Villa (Linksjugend Solid)

Die Basisgruppe der Linksjugend [‘solid] im Landkreis Kassel erklärt den Besetzer*Innen von UnsereVilla, die seit dem 3. Juni in der Villa Rühl ein basisdemokratisches, selbstverwaltetes soziales Zentrum aufbauen, ihre Solidarität.

Eure Initiative und Euer mutiges Streben haben uns beeindruckt und inspiriert. In Zeiten eines Verdrängungswettbewerbs auf dem Wohnungsmarkt, der es einkommensschwächeren Mitbürger_Innen unmöglich macht steigende Mieten zu bewältigen oder gar überhaupt erst bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist Euer Projekt ein wichtiger Fingerzeig. Während die politischen Eliten in dieser Thematik komplett versagen, treiben sie die Zerschlagung von bunten, vielfältigen Bezirken in den Stadtzentren auch noch durch eine Kürzungspolitik für Kunst, Kultur und Freiräume weiter voran. Continue reading “Solidarität mit den Besetzer*Innen von Unsere Villa (Linksjugend Solid)”

Soligrüße der Antifagruppe task

Die antifaschistische Gruppe task solidarisiert sich mit den
Besetzer*innen der Villa Rühl.

In Zeiten, in denen Besetzungen meist nur symbolischen Charakter haben, ist es umso erfreulicher, zu sehen, dass die Villa Rühl nun schon seit zwei Wochen “Unsere Villa” ist und tagtäglich von unterschiedlichsten Menschen mit Leben gefüllt wird. Über den symbolischen Wert einer solchen Aktion geht die Besetzung schon allein deshalb hinaus, weil die ganz konkreten Arbeiten in Unserer Villa mindestens so wichtig sind wie das öffentliche Anprangern von Leerstand, der kapitalistischen Verwertung von Wohnraum sowie der Zerstörung von Orten gemeinschaftlichen Lebens. Continue reading “Soligrüße der Antifagruppe task”

Soldidarität aus Kassel (Raum für urbane Experimente)

Auch der Raum für urbane Experimente erklärt sich solidarisch mit dem Projekt Unsere Villa in der Villa Rühl und mit dessen Zielen!

Auch uns liegt der Einsatz für mehr kulturelle Spielwiesen in Kassel am Herzen und auch wir finden, dass Leerstand genutzt werden soll und muss – in diesem Zeichen steht in gewisser Weise auch unser eigenes Projekt.

Wir konnten uns selbst von der friedfertigen Stimmung vor Ort überzeugen und hoffen, dass die Besetzung der Villa als wirkungsvolles Symbol für das Bedürfnis nach Orten für Kunst und Kultur aufgefasst wird, das positive Folgen für die Stadtentwicklung nach sich zieht und neue freie und bunte Räume für menschliches Miteinander ermöglicht.