Besetzer*innen finden Figuren des Kunstwerks “Die Rampe” (Pressemitteilung)

*english version below*

Auf dem Gelände des sozialen und kulturellen Zentrums “Unsere Villa” in der Mönchebergstraße 42, dessen Besetzer*innen von der Universität Kassel wegen Hausfriedensbruchs angezeigt wurden, fanden sich die Figuren der Skulptur “Die Rampe”, welche teilweise bereits im März auf dem neuen Campus aufgestellt wurde. Sie lagern dort zwischen Baumaterial und Maschinen.

Der Präsident der Universität Kassel, Prof. Reiner Finkeldey, hatte anlässlich der teilweisen Aufstellung des von der Künstlerin E.R. Bode geschaffenen Kunstwerkes im März dieses Jahres darauf hingewiesen, dass man sich den Besucher*innen der Documenta auch durch die Präsentation dieser Skulptur als weltoffene und geschichtsbewusste Universität zeigen wolle. Die HNA berichtete.

“Dass diese Art der Lagerung vom Geschichtsbewusstsein der Verantwortlichen von der Universität zeugt, bezweifeln wir”, sagt Sven Kulenkamp von “Unsere Villa” nachdenklich. “Es handelt sich in unseren Augen eher um einen sehr respektlosen und unachtsamen Umgang mit der Skulptur.”

Die schweren Bronzefiguren liegen in einer Ecke des Geländes offen unter einem Dach zwischen Baumaschinen und Baumaterial. “Dies ist in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um die Verkörperung auch von Zwangsarbeiter*innen handelt, ein geradezu zynischer Ort für die Unterbringung”, äußert die Geschichts- und Politikwissenschaftlerin Carola Craus von “Unsere Villa”.

Prof. Dr. Phil. Dietfrid Krause-Vilmar, der von “Unsere Villa” über die Lagerung der Figuren auf dem Gelände informiert wurde und sich in der Vergangenheit immer sehr engagiert für die Skulptur und ihre Wiederaufstellung nach dem Campus-Neubau eingesetzt hat, zeigt sich entsetzt über diese Art des Umgangs mit dem Kunstwerk: “Dies ist definitiv nicht der richtige Ort für die Figuren. Sie müssen so schnell wie möglich an den ihnen zugedachten Platz gebracht werden!”

Das Kunstwerk “Die Rampe”, welches 1985 eingeweiht und nach dem teilweise fertiggestellten Campus-Neubau vor dem neuen Selbstlernzentrum seinen Platz finden soll, erinnert an den Transport von Menschen in die Vernichtungslager und die Deportation von Zwangsarbeiter*innen und damit auch an die Vergangenheit des früheren Henschel-Geländes, auf dem die Universität entstanden ist. Henschel hatte im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Zwangsarbeiter*innen im Panzer- und Lokomotivbau beschäftigt.

Squatters discover parts of the artwork “Die Rampe” (press release)

On the area of the squatted social and cultural Center “Unsere Villa” (Our Villa) parts of the artwork “Die Rampe”, which since march is partly reconstructed on the new campus, were discovered between building material and machines.

When the artwork of artist E.R. Bode was installed on the campus of the university, the president of the university announced that the university wants to present itself as open and aware of its history to the visitors of documenta14 as the local newspaper HNA reports.

Sven Kulenkamp, an activist of “Our Villa” states: “The storage of parts of the artwork in this disrespectful way does neither show an awareness for the German history nor respect for the victims or the art I assume.”

The heavy sculptures of bronze were found in a corner of the areal in between building material and machines under an open ceiling. “Considering that the sculptures are representing forced laborers under the nazi-regime this way of storage is very cynical” says the historian and political scientist Carola Craus, activist in “Our Villa”.

Prof. Dr. Phil. Dietfrid Krause-Vilmar, who was very active in urging the presentation of the artwork on the new campus was informed by “Unsere Villa” about the storage situation of the sculpture. He was shocked by how the sculpture was treated: “This definitely is not the right place for the sculpture. They have to be brought to the place they belong to as soon as possible!”

The artwork “Die Rampe” which was released in 1985 remembers the deportation of forced laborers of the former Henschel company into extermination-camps. The Henschel company was located where the campus of the university is now. Henschel had numerous forced laborers constructing tanks and locomotives.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s