Stellungnahme des Fachgebiets “Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit und außerschulische Bildung”

Die Kunst, das Ästhetische, die Herstellung, Inszenierung und Rezeption von Kultur und Kunst bereichern das gesellschaftliche Leben. Die inspirierende Kraft kulturell-ästhetischer Neuformatierungen von öffentlichen Räumen kann gegenwärtig wieder in Kassel erlebt werden. Die documenta 14 erobert die Stadt und verwandelt diese nach einem fünfjährigen kulturellen Dornröschenschlaf in eine künstlerische Metropole. Im Schatten dieser »mutigen Ausstellung«, die »eigene Vorurteile« zu überprüfen und »die Perspektive des anderen« einzunehmen anregt, wie der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Eröffnung der diesjährigen documenta sagte, gestalten die Initiatoren des neuen sozialen Zentrum »Unsere Villa« ein eigenes, engagiertes und zivilgesellschaftlich wertvolles Kunstprojekt. In der ehemaligen, Ende des 19. Jahrhunderts erbauten »Villa Rühl«, Mönchebergstraße 42, etablieren sie einen neuen, selbstgestalteten und autonom verwalteten Ort für kulturelle, soziale, politische und künstlerische Projekte.

Kultur ist, wie der Mensch lebt und arbeitet. Wenn der soziale Raum der Universität Kassel zukünftig mehr sein soll, als ein Ort des Arbeitens, dann verdienen die Akteur_innen von »Unsere Villa« mit ihren Ideen zur Zukunft der Kasseler Nordstadt Aufmerksamkeit. Ihr Vorschlag, die Kasseler Nordstadt kulturell über ein soziales Zentrum zu beleben, enthält das Potenzial, das weitgehend auf die Helligkeit des Tages konzentrierte akademische Arbeitsleben auch der Universität zu erweitern und sozialkulturell zu bereichern. Doch die kreative Produktivkraft der »Villa» Initiator_innen sieht sich gegenwärtig mit der formalen Macht eines Produktionsmittelbesitzers konfrontiert. Das mutige Projekt der »Villa« könnte zu einem wertvollen Projekt für alle werden, wenn denn diejenigen mutig werden, die sich bislang blockieren, Weltsichten und Vorurteile souverän zu überprüfen. »Von Athen lernen« kann auch heißen, zu lernen, auf die Durchsetzung von Macht zu verzichten, um der Phantasie Raum zu geben.

Link: Projekt »Unsere Villa« kann die Universität sozialkulturell bereichern

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