Der Vorstand des Kasseler Jugendrings solidarisiert sich

Eine Gruppe von Menschen hat am Samstag, 3. Juni, die Villa Rühl in der Mönchebergstraße in Kassel besetzt. Nach eigener Aussage soll die Aktion dem Aufbau eines sozialen Zentrums in Kassel dienen, in dem selbstorganisierte und solidarische Strukturen entstehen und sich Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen mit ihren Ideen einbringen können. Dass diese Idee Wirklichkeit werden kann, wurde bereits am Pfingstwochenende gezeigt: Ein buntes Treiben mit Vorträgen, Musik, Kaffee und Kuchen, vielen interessanten Gesprächen und Informationsangeboten hat dem seit Jahren verlassenen Ort wieder neues Leben eingehaucht.

Der Vorstand des Kasseler Jugendrings begrüßt, dass sich (junge) Menschen ungenutzte Orte aneignen, in denen sie Freiräume für politisches, kulturelles und soziales Engagement schaffen. In Kassel sind in den vergangenen Jahren viele (sub-)kulturelle Orte verloren gegangen. Subkulturelle Gruppen, selbstorganisierte Initiativen und kleine Vereine werden obdachlos, während ganze Wohnkomplexe leerstehen und vor sich hin gammeln, andere Gebäude durch gewinnorientierte Akteure aufgekauft und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die voranschreitende Modernisierung Kassels darf nicht allein Akteuren mit (gewinnorientierten) Partikularinteressen überlassen werden – auch Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren eigenen Artikulations- und Protestformen sind berechtigte Mitbestimmer*innen.

Ein soziales Zentrum, in dem sich Jugendgruppen und -initiativen treffen und organisieren können, wird ein wichtiger Bestandteil der Kasseler Zivilgesellschaft sein: Um sich politisch, kulturell oder sozial zu engagieren und sich als Teil einer lebendigen Demokratie in die Verhältnisse einzumischen, braucht es Rückzugsräume, Schutzräume, Freiräume. Der Standort zwischen den Stadtteilen Nordstadt und Wesertor kann weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung bereits bestehender Strukturen leisten. Mit der Initiative der Besetzer*innen eröffnen sich auch für die Universität Kassel interessante Möglichkeiten: Durch eine Duldung und die langfristige Unterstützung des Projekts “Soziales Zentrum” kann die Hochschule zeigen, wie ernst gemeint der vielfach formulierte Anspruch ist, sich als Institution zur Stadt hin zu öffnen und als gesellschaftlicher Akteur in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Wir wünschen den Besetzer*innen konstruktive Kommunikation und Verhandlungen mit der Universität Kassel, Ausdauer und Kraft für den Aufbau eines sozialen Zentrums in Kassel.

Für den Vorstand des Kasseler Jugendrings,

Sebastian Maier, Martin Steinbach, Jens Domes, Tarik Amal, Maria Grüning, Fabian Koch, Tyll Steckelmann

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