Offener Brief der GEW an die Uni Kassel

GEW spricht sich für Verhandlungsbereitschaft gegenüber Hausbesetzer _innen aus

Der GEW Regionalverband Nordhessen appelliert an die Hochschulleitung der Universität Kassel, offen über die Möglichkeiten einer dauerhaften Nutzung ihrer Immobilie in der Mönchebergstraße 42 mit den Hausbesetzer_innen zu verhandeln und auf eine gewaltsame Räumung durch die Polizei zu verzichten.

Am vergangenen Wochenende wurde in der Mönchebergstraße 42 eine ehemalige Industriehalle mit angrenzendem Grundstück in Eigentümerschaft der Universität Kassel besetzt. Laut eigenem Bekunden auf ihrer Webseite geht es den Hausbesetzer_innen um die Schaffung eines sozialen Zentrums, das einen offenen Raum für unabhängige politische und kulturelle Initiativen und Be- dürfnisse rund um den Campus, in der Nordstadt und in Kassel bietet. Das besetzte Gebäude ist nach Kenntnisstand der GEW seit Jahren ungenutzt. Dies gilt ebenso für das sich baulich in einem wesentlich besseren Zustand befindliche Nachbargebäude – die „Villa Rühl“ –, das der Universität vor einigen Jahren überschrieben wurde. Dem äußeren Anschein nach, scheint das nun besetzte Gebäude in den letzten Jahren dem Verfall preisgegeben worden zu sein. Der GEW Regionalverband spricht sich dafür aus, diesbezügliche Versäumnisse des Landes Hessen nun nicht zum Nachteil der Hausbesetzer_innen anzuführen und mit dem Verweis auf bauliche Mängel räumen zu lassen. Stattdessen sollte die Hochschulleitung mit den Besetzer_innen in den Dialog treten, um ggf. über mögliche bauliche Probleme, deren Behebung sowie Nutzungsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen.

Der GEW Regionalverband Nordhessen ersucht die Hochschulleitung nachdrücklich, sich als wichtiger lokaler und regionaler gesellschaftspolitischer Akteur verantwortungsbewusst auch gegenüber den örtlichen Folgeproblemen zu zeigen, die sich aus der Hochschulexpansion ergeben. So hat sich die Zahl der Studierenden an der Universität Kassel seit 2005 um beinahe 10.000 und damit um 65% erhöht. Dies hat starke Wirkung auf Mietpreise und die Verfügbarkeit von Wohnraum, aber auch auf verfügbaren und finanzierbaren Raum für unabhängiges kulturelles und politisches Leben in Kassel, von dem eine lebendige und vielfältige Studierendenstadt lebt. Seit einigen Jahren erleben wir in Kassel die Schließung zahlreicher Orte studentischen politischen und kulturellen Lebens, ohne dass neue Orte entstehen. Wenn die Universität sich das Label der documenta Stadt Kassel zu eigen macht, sollte sie auch ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden, über die dreimonatige Großausstellung hinaus zu einer kulturell und politisch lebendigen demokratischen Kultur in Kassel beizutragen. Wir appellieren daher an die Hochschulleitung, in Verhandlungen mit den Hausbesetzer_innen zu gehen und unbedingt auf eine einseitige gewaltsame Durchsetzung ihrer Eigentumsansprüche durch die Polizei zu verzichten.

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