Offener Brief an das Präsidium der Universität Kassel

*English below*

Nach dem Besuch der Uni Kassel, haben wir uns entschlossen einen offenen Brief zu verfassen:

Sehr geehrter Prof. Dr. Reiner Finkeldey,

sehr geehrter Dr. Oliver Fromm,

sehr geehrter Robert Hesse,

sehr geehrte Beate Hentschel,

wir, die Besetzer*innen aus der Mönchebergstraße 42, möchten unseren ausdrücklichen Wunsch nach einer Verhandlung über eine langfristige Nutzung des Geländes und des darauf befindlichen Fabrikgebäudes als soziales Zentrum kundtun. Ein solches Zentrum in Kassel ist sinnvoll und notwendig, weil es an nicht-kommerziellen kulturellen und politischen Freiräumen fehlt.

Ihre Sorge um die Unversehrtheit der Wohnvilla Rühl, die sich auch auf dem besetzten Gelände befindet, hat uns erreicht. Das Plenum am Sonntagabend hat den Schutz der Wohnvilla befürwortet und wir haben daraufhin Maßnahmen eingeleitet, damit dieses Gebäude und dessen Einrichtung unangetastet bleiben. Gerne können Sie am Dienstagvormittag das Gebäude sichtern und sichern.

Ihren bautechnischen Sicherheitsbedenken in Bezug auf das Fabrikgebäude stimmen wir nur teilweise zu. Der Zustand des Gebäudes ist verbesserungswürdig, deshalb haben wir bereits erste Maßnahmen in Angriff genommen, um die Räume nutzbar zu machen und ihren weiteren Verfall zu verhindern. Ihr Argument, dass sich aufgrund der Gebäudesicherheit keine Menschen dort aufhalten dürfen, hat uns nicht überzeugt. Sie selbst gewähren Ihren Mitarbeiter*innen für die Bodenentlüftungsmaßnahmen sowie den An- und Abtransport des Universitätsmobiliars Zugang.

Nach Ihrem Besuch möchten wir noch einmal betonen, dass wir die Universität als Teil der Gesellschaft und als politische Akteurin in der Stadt sehen. Fernab Ihres demokratischen Anspruchs sind Sie mitverantwortlich für die von uns kritisierten Entwicklungen wie Aufwertung und die damit einhergehende Verdrängung. Der Konflikt um den Lucius-Burckhardt-Platz steht beispielhaft für das destruktive Eingreifen in selbstorganisierte Projekte. Dies steht in krassem Widerspruch zur Geschichte der Universität Kassel als Reformhochschule mit bürger*innennahem und basisdemokratischem Charakter.

Wir laden Sie weiterhin zu gemeinsamen Verhandlungen ein und finden Ihre Entscheidung, am Dienstag ohne unsere Beteiligung eine Entscheidung über die Zukunft des Projekts zu fällen, nicht legitim. In dieser Form getroffene Entscheidungen, die das soziale Zentrum gefährden, werden wir nicht akzeptieren. In beidseitigem Interesse wünschen wir uns, dass Sie auf eine gewaltsame Räumung des Projekts “Unsere Villa” verzichten.

Stattdessen wünschen wir uns, dass Sie sich mit uns an einen Tisch setzen, um über den weiteren Verlauf gemeinsam zu verhandeln. Aufgrund unserer hierarchiefreien Struktur benötigen wir einen Vorlauf, um uns in Plena abzustimmen und gemeinsame Positionen für eine Verhandlung zu erreichen. Deshalb weisen wir Sie abermals auf unser dauerhaft erreichbares Verhandlungstelefon hin, um terminliche und weitere Absprachen zu treffen.

Auf zukünftig konstruktive Kommunikation und Verhandlungen freuen wir uns,

und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Kassel, 5. Juni 2017

“Unsere Villa”

***

Open letter to the presidency of the university of Kassel

After the university Kassel’s visit, we decided to publish an open letter:

Dear Prof. Dr. Reiner Finkeldey,

dear Dr. Oliver Fromm,

dear Robert Hesse,

dear Beate Hentschel,

we, the squatters from the Mönchebergstraße 42, want to explicitly express our desire for negotiating the long-term usage of the area and the factory building thereon as a social center. Such a center in Kassel is meaningful and necessary since there is a lack of non-commercial cultural and political open spaces.

Your worries over the intactness of the Villa Rühl, which is also on the squatted area, has reached us. The assembly on Sunday evening voted to support the villa’s protection which is why we introduced measures in order to leave this building and its interior untouched. You are welcome to examine and secure the building on Tuesday morning.

We only partly agree with your security concerns regarding the constructional condition of the factory building. The building’s shape is in need of improvement, which is why we have started with first measures to make the rooms usable and prevent their further decay. Your argument, that due to the building’s security, no persons should be allowed to enter and stay, is not convincing. You yourself grant entry permissions to your employees for the ground ventilation measures as well as the transport of university furnishings to and from the building.

After your visit we would like to stress once more, that we perceive the university as part of the society and political actor in the city. Besides your democratic pretensions you are also partly responsible for developments we criticize such as gentrification and the accompanying processes of displacement. The conflict over the Lucius-Burckhardt square is a symbol for the destructive intervention into self-organized projects. This stands in a stark contrast to the university’s history as a “Reformhochschule” with a citizen-oriented and basic democratic character.

We continue inviting you to common negotiations and do not consider your decision legitimate to determine the project’s future on Tuesday without our participation. Decisions which are taken this way and which threaten the existence of the social center will not be accepted. Considering your as well as our interest, we wish for you to forgo the possibility of violently evicting the project “our villa.”

Instead we hope that you will meet us in order to negotiate together about the future course of action. Due to our hierarchy-free structures, we require some time to coordinate ourselves in assemblies and reach common positions for the negotiations. This is why we would like to draw your attention once again to our constantly available negotiation phone contact in order to make schedule-related and other agreements.

We look forward to future constructive communication and negotiations.

Best wishes,

Kassel, 5. June 2017

Our Villa”

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